MATTEN GMBH
(SYNTHESIZERSTUDIO BONN)
Der BANANA, eine Entwicklung des SYNTHESIZERSTUDIO BONN, wurde seinerzeit unter der Herstellerbezeichnung SYNTEC angeboten (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Firma hier im Katalogteil!).
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BANANA / pol syn kmi 5350 (1983)
Dieses Instrument wurde vom SYNTHESIZERSTUDIO BONN entwickelt und in in Zusammenarbeit mit EEH in rund 200 Exemplaren gebaut. Der BANANA war ausschliesslich in Deutschland erhältlich. Das im OBERHEIM-Look gestaltete Instrument wurde seinerzeit noch vor der Realisation OBERHEIM angeboten, jedoch von dort abgelehnt.
Dirk Matten dazu:
(...) Wir haben damit gerechnet, dass OBERHEIM die Fertigung und den Vertrieb für die USA übernehmen würde. Bei einem persönlichen Besuch in Bonn, Franzstrasse, haben wir Herrn OBERHEIM angedeutet, was er von einer Entwicklung wie den BANANA halten würde. Wir sind dabei nicht konkret geworden, und er hat das fertige Gerät weder gesehen noch gehört. Seine lapidare Bemerkung war, Roger LINN wäre ja auch nicht mit seiner Drummachine zu ihm gekommen, sondern hätte sie selbst gebaut und vertrieben. Er würde täglich mehrere Kontakte zu "solchen Spinnern" haben, das wäre eh' nichts für ihn. Wir haben uns nur angesehen und uns unseren Teil gedacht. Den BANANA haben wir gebaut und ich weiss von Dieter Rösberg, dessen Stand auf der nachfolgenden Musikmesse in der Nähe vom OBERHEIM-Stand war, dass nahezu alle Interessenten zu OBERHEIM kamen und nach dem BANANA fragten. Nach OBERHEIM nicht. Er muss grün vor Wut gewesen sein. Später hat Russ Jones (Sales Manager) mir gesagt, dass wir besser mit ihm gesprochen hätten, es wäre ein Mördergeschäft für beide Seiten geworden. Na ja. Geld ist auch nicht alles. Uns war unsere Ehre da wichtiger.
Neben Dirk Matten war Hans-Joachim Wiechers massgeblich für die technische Entwicklung des BANANAs verantwortlich. Der BANANA gilt als einziger europäischer Synthesizer mit amerikanischem Sound. Er wurde erstmals im Februar 1983 ausgeliefert.Im BANANA kamen u.a. die CURTIS-Chips CEM 3310/3340/3360 und der SSM-Chip SSM 2044 (Filter) zum Einsatz. Russ Jones - das nur informationshalber zum obigen Zitat - ist in den USA u.a. für den Vertrieb der STEINBERG-Produkte zuständig, was auch das dort immer wieder zu findene STEINBERG-Jones auf den Anzeigenseiten bestätigt.
Die Tonerzeugung gestaltet sich wie folgt: zwei Oszillatoren pro Stimme (der BANANA ist sechsstimmig) mit den Wellenform Sägezahn, Pulswelle, sowie Dreieck. Der zweite Oszillator lässt sich leicht verstimmen, um die typischen Schwebungseffekte zu erzeugen. Beide Oszillatoren lassen sich in einem Bereich von bis zu vier Oktaven darüberhinaus grobstimmen. Ausgestattet mit der Oszillatorsynchronisation lassen sich mit dem BANANA auch die beliebten Sync-Sound s erzeugen. Wie schon beim ROLAND JUPITER-6, dem SCI PROPHET-5 und dem OBERHEIM OB-X, so lassen sich auch beim BANANA alle Wellenformen bei Bedarf auch gleichzeitig aktivieren, was sich in obertonreichen Grundklängen äussert. Für geräuschhafte Klänge lässt sich stufenlos weisses Rauschen beimischen. Das 24 dB/Oct.-Tiefpassfilter ist resonanzfähig. Die Filteröffnung lässt sich sowohl von der Tastatur, als auch von der Hüllkurve 1 modulieren. Während die Hüllkurvenintensität stufenlos justiert werden kann, ist für das KeyboardTracking jedoch ein fester Wert vordefiniert, welcher bei Bedarf einoder ausgeschaltet werden kann. Übrigens ist die maximale Resonanzeinstellung des BANANA leider so vorgegeben worden, das eine Eigenschwingung nicht möglich ist, was sich aber durch einen Geräteeingriff nachregeln lässt. Der VCA verfügt über eine eigene ADSR-Hüllkurve, wie auch das Filter seine eigene ADSR-Hüllkurve besitzt. Der BANANA kommt gleich mit zwei LFOs daher, wobei beiden jedoch nur eine Dreieckswelle fest zugeordnet wurde, was die Modulationsvielfalt schon ein wenig einzuschränken scheint. Allerdings muss man den nahezu konkurrenzlosen Preis beachten, den der BANANA seinerzeit erforderte. LFO 1 ist fest den Oszillatoren zugeordnet und erzeugt demzufolge Vibrato-Effekte. Die Intensität des Vibrato-Effektes wird vom Modulationsrad aus gesteuert. Der zweite LFO kann zur Modulation der Filtereckfrequenz und/oder der Pulswellen der beiden (oder eines) Oszillators eingesetzt werden, wobei hier die Intensität über einen dezidierten Regler erfolgt. Zur Erzeugung metallischer Klänge steht schliesslich noch ein Kreuzmodulator zur Verfügung (Crossmodulation).
Der BANANA ist mit einer 61er-Tastatur ausgestattet, welche nicht dynamisch spielbar ist. Linker Hand sind ein Tonhöhenbeugungs- und Modulationsrad angebracht. Die Ur-BANANAs sind nicht mit MIDI ausgestattet. Allerdings wurde ein Nachrüstsatz angeboten. Für Erzeugung besonders fetter Soloklänge lässt sich der BANANA unison betreiben, wobei alle 12 Oszillatoren leicht gegeneinander verstimmt auf eine Taste gelegt werden. Was den BANANA bühnentauglich macht, sind zum Einen seine Oberfläche, auf welcher ein weiteres Keyboard plaziert werden kann, sowie seine 60 Programmspeicher zur schnellen Umregistrierung von Klängen. Was den Klang betrifft, so schreibt Matthias Becker in "Synthesizer von Gestern Vol. 2", der BANANA sei der einzige deutsche polyphone Synthesizer mit "amerikanischem" Sound. Und amerikanischer Sound, das war damals gleichbedeutend mit OBERHEIM- oder MOOG-Klängen. Eine preisgünstige und erschwingliche Alternative - auch auf dem Gebrauchtmarkt.